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Dem Frankenwalde entspringt der 2010 gegründete Vierer UNIFIED, der sein Debüt namens "Black & White" im noch jungen Jahr 2014 auf den metallischen Gabentisch packt. Unter der Produktion von Oliver Schmidt (LETZTE INSTANZ) wurden elf abwechslungsreiche Songs eingespielt und zur vorliegenden Platte zurechtgezimmert. Das etwas kitschige Cover führt den Hörer zunächst in die Irre, einen weiteren generischen keyboardlastigen Power-Metal-Klon vor sich zu haben, doch obwohl UNIFIED auf ihrem Debüt auch sanftere Klänge anschlagen, klingen sie ganz und gar nicht zuckrig.

Schon der Opener "Welcome To The Shadowland" zeigt die Marschrichtung - melodischer Metal mit einer deutlichen NWOBHM-Schlagseite, tollem Riffing, großen Refrains und Arrangements wie man sie von SCORPIONS oder IRON MAIDEN gewöhnt ist ("Hidden In Fear"). Auch progressive Einschläge wie beispielsweise bei "Arrested By The Beast" zu hören, finden sich in den durchwegs über der Fünf-Minuten-Grenze angesiedelten Songs, die durch Tempowechsel und Abwechslungsreichtum gekennzeichnet sind.

Trotz der Ausgereiftheit des Songwritings spart das Album nicht mit Ecken und Kanten, die sich vor allem in teilweise Thrash-lastigen Anleihen manifestieren - höre ich da ein Quäntchen ANNIHILATOR bei "Tyrant"? Sänger Markus bewegt sich in einer sehr angenehmen Tonlage und vermeidet ausschweifende Ausflüge in Gesangeshöhen des europäisch geprägten Power Metals, klingt aber in einigen wenigen Passagen ein bisschen schief. Ihre Stärken in der Mischung zwischen sägenden Riffs und Ohrwurmrefrains spielen die vier Franken vor allem bei dem Titeltrack "Black & White" aus und dass sie Killerrefrains zu schreiben vermögen, beweisen sie bei "Ascan". Auch der Groove kommt nicht zu kurz, was die Gitarrenarbeit beim ziemlich derb geratenen "Black Attack" zeigt.

Ganz ohne Zucker kommt man dann aber doch nicht aus, gibt es doch als kleinen Bonus noch eine Coverversion von FREEDOM CALLs "Warriors" auf die Ohren. Und diese Version hat es in sich! Wirkt das Cover in seiner entkitschten, gitarrenlastigen Version doch um keinen Deut weniger episch, aber ist bis auf die gesanglichen Schwächen in den Strophen sogar besser als das Original!

UNIFIED liefern mit "Black & White" ein beachtliches Debüt ab, das sich wohlwollend von der Masse des verkitschten Melodic Metals abhebt und eine Brücke schlägt zu den raueren, von den 80ern inspirierten NWOBHM-Klängen. Mit ein wenig Glück könnte dieses Scheibchen den Frankenwald-Vierer direkt in die Liga etablierter Bands katapultieren, denn das Können dazu beweisen sie bereits jetzt.

Anspieltipps: "Tyrant", "Black & White", "Ascan"

Dieses Review verfasste Anthalerero | www.stormbringer.at