Markus begegnete Chris bereits als sein Musiklehrer. Was bewegte euch letztendlich dazu, Unified zu gründen und wie entstand der Kontakt zu den restlichen Bandmitgliedern?

Chris: Durch ein Cover-Projekt kamen Markus und ich wieder in Kontakt. Kurz darauf kam mir die Idee einer eigenen Band mit eigenem Material. Eine Mail an Markus und Unified war geboren.

Markus: Semmel war ebenfalls einer meiner Schüler. Da Chris mit ihm noch in Kontakt stand und Semmel schon in der Schulzeit bei mir einen bleibenden Eindruck als hervorragender Drummer hinterlassen hat, war er die erste und beste Wahl für den Posten. Thomas kam über eine Internetanzeige dazu. Sein besonders guter Kontakt zu einem sehr guten und bekannten deutschen Bierhersteller begünstigte die Entscheidung, ihn zum Basser von Unified zu machen. (lacht)

 

In welchen Projekten ward ihr tätig bevor ihr diese Band gegründet habt und wie schwer ist es heutzutage als Undergroundnummer in Europa zu bestehen, bei so viel Konkurrenz?

Markus: Die meisten von uns waren in der Coverszene unterwegs. Rock aus den letzten 30 Jahren wurden bis in Detail einstudiert. Da hatte Kreativität wenig Platz, was sehr schade ist. Man möchte sich ja schließlich weiterentwickeln und herausfinden, zu welchen Dingen man als Musiker fähig ist. Das Nachspielen von Songs gehört zwar mit dazu, kann aber nicht alles sein. Es geht uns nicht um Konkurrenz, sondern um den Spaß an der Musik und der Kreativität und dass viele Menschen auf der Welt uns hören und die Musik geil finden.

Der Unified-Sound erinnert an einige der deutschen großen Namen, wenn wir über Power und Heavy Metal sprechen: Helloween, Running Wild, Blind Guardian… Welche Bands inspirieren euch beim Komponieren und wie schwer oder leicht ist es einen eigenen Weg zu gehen?

Semmel: Die Hauptsongwriter sind Markus und Chris. Inspiration kann man sich von überall herholen. Wir versuchen immer noch unseren Stil zu finden. Vergleiche mit anderen Bands oder Kommentare wie „ Das klingt wie…“ wird es aber immer geben, da bestimmte Bands gewisse Stile einfach geprägt haben!

Chris: Also ich denke mal, wir lassen uns da nur unbewusst inspirieren. Wir versuchen nicht irgend ein Riff zu kopieren oder dergleichen. Wir spielen einfach drauf los und so entstehen Songideen. Danach arbeiten wir an diesen Ideen. Heutzutage ist es schon schwer, etwas ganz Neues zu schaffen, aber wir versuchen es mit Vielseitigkeit und ich denke das ist ein ganz guter Ansatz.

Eure Muttersprache ist deutsch und trotzdem singt ihr in englisch. Denkt ihr, es wird euch auch helfen neue Türen in der Musikbranche zu öffnen? Bands wie Rammstein oder Die Toten Hosen haben das ja immer in Frage gestellt.

Markus: In Deutsch zu singen wirkt auf viele Leute in Deutschland manchmal sehr kitschig. Hier die richtigen Worte zu finden ist sehr schwer. Deutsch klingt manchmal sehr hart. Es passt für bestimmte Musikrichtungen, aber weniger für das, was wir machen wollen. Die englische Sprache ist für mich als Sänger einfacher zu handhaben. Ich selbst höre und singe schon sehr lange englische Songs. Da fällt es schwer, Metal in Deutsch zu singen.

Thomas: Rammstein ist eine absolute Ausnahmeband! Man fragt irgendwen von irgendwo her nach deutschem Metal und das erste was man immer hört ist “Rammstein”! Rammstein ist ein Unikat das seines gleichen sucht, ich denke schon dass wir es mit englischen Texten auch leichter haben, außerdem mag ich deutschsprachigen Metal nicht.

Chris: Es gibt schon Bands, da passt deutscher Gesang einfach, siehe eben Rammstein oder auch J.B.O. sind eine coole Nummer. Aber mir gefällt englischer Gesang im allgemeinen einfach besser.

“Welcome to the Shadowland” ist euer erstes Werk, das ihr vor kurzem auf dem internationalen Markt veröffentlicht habt. Wie waren bisher die Reaktionen der Fachpresse in eurer Heimat sowie im Ausland? Und wie viel Interesse an eurem Material gibt es bei den Hörern?

Thomas: Was wir bisher an Resonanz vernommen haben war durchweg positiv. Die meisten Leute können nicht glauben das diese CD komplett in Eigenregie enstand, was wohl ein riesen Kompliment für die Band und vor allem für Chirs ist, der die Produktion geregelt hat. Ein Kollege von mir geht absolut auf Markus' Gesang ab: “Das ist MEINE Power Metal Stimme, genau wie das X-Factor von Maiden!!”, waren seine Worte.

Semmel: Und sogar “Nicht-Metal-Fans” gefällt unsere Musik.

Chris: Das stimmt. Ich denke wir können wirklich sehr zufrieden mit unserem ersten Werk sein.

Ihr werdet immer als Melodic Heavy Metal Band eingeordnet, aber in Songs wie “Black and White” sind auch einige Growls dabei, die auf Einflüsse aus dem Death Metal schließen lassen. Denkt ihr, dass ihr dadurch auch die Fans des modernen und extremorientierten Metals mit eurer Musik erreichen könnt?

Semmel: Eingeordnet hat uns eigentlich noch keiner! Melodic Metal trifft es aber dabei wahrscheinlich noch am ehesten!

Chris: Ich mag das Schubladendenken eh nicht so. Klar, der Hauptbestandteil unseres Songwritings ist so, dass ich das Ergebnis als Melodic Metal bezeichnen würde, wie Semmel schon sagt. Die Paarung cleaner Gesang und Growls hat mir aber schon immer gut gefallen. Außerdem ist es auch storydienlich für unser Konzeptalbum.

Markus: Ich denke, dass es eher schwierig sein dürfte, die ganz harten Jungs von unserer Musik zu überzeugen. Allein mit den wenigen Growls die wir haben wird es uns sicherlich nicht gelingen. Das ist aber auch nicht unsere Absicht. Die Growls haben aufgrund der Geschichte unseres zukünftigen Konzeptalbums einfach hervorragend hineingepasst. Wir wollen musikalisch einfach überzeugen und nicht irgendwelche Metal-Klischees bedienen. Natürlich würde es uns freuen, wenn auch extremorientierte Metaller unsere Musik und Melodien gut finden.

Wo wurde “Welcome to the Shadowland” aufgenommen, bearbeitet und gemischt? Und in welchen Aspekten wollt ihr das noch verbessern, bevor ihr euer neues Album in 2012 herausbringt?

Chris: Die komplette EP wurde in unseren eigenen Home-Studios produziert. Für die gegebenen Mittel sind wir auf jeden Fall mehr als glücklich mit dem Ergebnis, speziell mit dem Sound. Verbessern kann man aber immer, also mal sehen, welche Mittel wir für das Album zur Verfügung haben werden.

Euer Material hat mit Brasilien eines der wichtigsten Länder im südamerikanischen Markt erreicht. Plant ihr nun zusätzlich, um den Rest unseres Kontinents zu erreichen, oder wartet ihr auf die Unterstützung eines Labels in dieser Hinsicht?

Chris: Erst einmal möchte ich João Andrade von der Band Gandavo danken, ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Wir sind natürlich sehr stolz, dass wir nach so kurzer Zeit mit Brasilien und Argentinien sogar schon den südamerikansichen Kontinent erreicht haben.

Thomas: Dieses Interview bietet uns ja schon mal eine wunderbare Möglichkeit Argentinien zu erobern (lacht). Wir tun was in unserer Macht steht. Falls wir ein Label finden wäre das natürlich super, aber bis es soweit ist, werden wir in Eigenregie versuchen so bekannt und erfolgreich wie möglich zu werden, egal ob in Brasilien, Argentinien, Holland oder Franken! Wir sind bereits jetzt sehr zufrieden, wer hätte vor einem Monat gedacht, dass wir in den ersten Wochen nach Release bereits CDs nach Südamerika und Australien exportieren würden?

Am 8. Oktober werdet ihr zusammen mit State of Euphoria im Manhattan Club Hof in Deutschland spielen. Welche Erwartungen habt ihr für diese Show und wie wollt ihr den besonderen Tag promoten?

Chris: Es wird auf jeden Fall ein ganz besonderer Tag werden. Allein schon, weil es unser erster offizieller Gig sein wird. Der Manhattan Club ist eine super Location dafür und mit State of Euphoria haben wir einen geilen Headliner.

Markus: Wir hoffen, dass viele Leute da sein werden , die mit uns unsere Musik feiern wollen. Es ist etwas Besonderes, eigene Songs zu performen.

Semmel: Die Promotion verläuft größtenteils über Mundpropaganda oder gewisse Internetportale, da es ein kleinerer Club ist! Wir erhoffen uns aus diesem Auftritt etwas bekannter zu werden und eventuell neue Kontakte zu schließen, aus denen wieder neue Gigs entstehen können!

Was können die Hörer von dem Material erwarten an dem ihr aktuell arbeitet und das auf eurem Debütalbum zu finden sein wird? In Bezug auf Sound, Komplexität und Melodien?

Markus: Es wird sich stark an unserer EP orientieren. Eigentlich ist die EP ein kleiner Auszug von dem, was kommen wird.

Semmel: Wie die EP schon zeigt, kann unsere Musik ziemlich abwechslungsreich sein. Wir haben uns nie in eine bestimmte Richtung drängen lassen, bzw. keinem bestimmten Genre untergeordnet. Von daher ist alles möglich, was im weitesten Sinne mit Metal zu tun hat.

Thomas: Ich denke Melodien werden zu genüge drin sein, der Sound wird mindestens so gut wie auf der EP, aber wie ich Chris kenne findet er noch irgendetwas am Sound das er verbessern kann. Unser Album soll ein konzeptionelles Album werden, die Story haben Chris und ich bereits soweit fertiggestellt, und diesbezüglich können wir nur sagen, dass uns die Ideen diese Geschichte weiter zu schreiben nicht so schnell ausgehen werden. Also sollten wir mit dem Album nicht pleite gehen oder ein Atomkrieg rafft uns dahin, wird Unified Songs schreiben und eine Metal Saga kreieren die ihres gleichen sucht.